Mutterschutz

Vorzeitige Freistellung (= Vorzeitiger Mutterschutz)

Der vorzeitige Mutterschutz ist in Österreich im Mutterschutzgesetz von 1979 (§ 3 Abs. 3 des MSchG,  zuletzt geändert durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 126/2017) geregelt. Eine vorzeitige Freistellung kann vom Frauenarzt/Frauenärztin nur in seltenen schwerwiegenden Fällen beantragt werden. Wir haben Ihnen zu diesem Thema wichtige Informationen zusammengestellt.

Folgendes gilt:

  • Vor der 16. Schwangerschaftswoche…

    ist ein „vorzeitiger Mutterschutz“ nur in seltenen schwerwiegenden Ausnahmefällen (vorbestehende Grunderkrankungen) möglich. ACHTUNG: Blutungen in der Frühschwangerschaft, niedriger Blutdruck mit Schwindel und Kollapsneigung, Migräne, Übelkeit, Erbrechen und anfängliche Gewichtsabnahme, Unterbauchziehen und Kreuz- bzw. Rückenschmerzen und auch Infektionskrankheiten stellen KEINEN Grund für eine Freistellung dar! Bei konkreten Beschwerden können Sie versuchen einen KRANKENSTAND durch den praktischen Arzt/praktische Ärztin zu bekommen. Dauer bzw. Befristung richten sich je nach dem Beschwerdeverlauf.

  • Ab der 16. Schwangerschaftswoche

    Der vorzeitige Mutterschutz kann vom Frauenarzt/der Frauenärztin nur eingeschränkt beantragt werden. Wie bei jedem Freistellungsgrund (gemäß § 3 Abs. 3 MSchG) muss das Leben oder die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährdet sein. Es müssen dafür bestimmte, genau definierte MEDIZINISCHE Gründe vorliegen, an die sich der Arzt/die Ärztin halten muss. Das Vorliegen eines solchen, in dieser medizinischen Indikationenliste angeführten Grundes für einen Antrag auf Freistellung ist wie bisher vom Facharzt/von der Fachärztin zu bestätigen. Achtung: Bei schweren Erkrankungen nicht gynäkologischer Art muss der/die jeweilige behandelnde Facharzt/-ärztin die Begründung darlegen.

  • Liegen jedoch Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit einer Schwangeren vor…

    die sich aus der Arbeitsplatzsituation ergeben, (z.B. schweres Heben, langes Stehen/Sitzen), so ist der/die Arbeitgeber/in verantwortlich und zuständig. In dieser Angelegenheit kann von ärztlicher Seite nichts unternommen werden!

    Das heißt: belastende ARBEITSBEDINGUNGEN stellen KEINE FRAUENÄRZTLICHE BEGRÜNDUNG für einen vorzeitigen Mutterschutz dar!

    Eine angemessene Änderung Ihrer Arbeitssituation ist, im Sinne des Mutterschutzgesetzes, Aufgabe des Arbeitgebers/der Arbeitgeberin! Falls er/sie keinen geeigneten Arbeitsplatz hat, muss er/sie die werdende Mutter auf seine/ihre Kosten freistellen (§ 2b MSchG). Wenn bei Ihnen KEIN MEDIZINISCHER GRUND für eine Freistellung vorliegt und Ihre Arbeitssituation für Sie in Ihrer Schwangerschaft zu belastend ist, bitten wir Sie, sich mit dem zuständigen Arbeitsinspektorat oder der ARBEITERKAMMER in Verbindung zu setzen (Tel.: 01/501 65 0). Eine Broschüre des Arbeitsinspektoriates stellen wir Ihnen gerne zur Verfügung!

    Bitte beachten Sie, dass wir Ihnen für die eventuelle Ausstellung eines solchen Attestes (seit 01.2018) ein Privathonorar in Rechnung stellen müssen. Gerne informieren wir Sie persönlich darüber.

  • Sonderfreistellung COVID-19 für Schwangere

    Für Schwangere ab der 14. Schwangerschaftswoche, die in Arbeitsbereichen beschäftigt sind, in denen ein physischer Körperkontakt mit anderen Personen erforderlich ist, und die über keinen vollständigen Impfschutz verfügen, gibt es einen Freistellungsanspruch.

    Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind angehalten durch Änderung der Arbeitsbedingungen oder Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz eine Gefährdung zu vermeiden. Auch die Möglichkeit von Homeoffice muss geprüft werden. Ist das nicht möglich, hat die schwangere Arbeitnehmerin ohne vollständigen Impfschutz Anspruch auf Freistellung mit Entgeltfortzahlung.

    Für diese Art der Freistellung ist NICHT Ihr Gynäkologe zuständig! Wenden Sie sich bitte an Ihren Arbeitgeber oder ihre Arbeitgeberin. Bitte beachten Sie auch, dass sich die Voraussetzungen und Bestimmungen im Laufe der Pandemie ändern können!

     Mehr Informationen unter www.bma.gv.at